Salzburgs Widerstand und Befreiung

Der erste Teil der Sendung ist ein Mitschnitt der Gedenkveranstaltung für Michael Chartschenko im Salzburger Volxgarten vom 4. Mai 2015. Er war das wahrscheinlich letzte Opfer der hiesigen SS und wurde am 4. Mai 1945, am Tag der Befreiung der Stadt Salzburg durch US- Truppen, im Volxgarten erschossen und verscharrt.
Der zweite Teil der Sendung ist ein Mitschnitt von einer Feier am Ehrengrab einiger Salzburger Widerstandskämpfer am Kommnalfriedhof. Die Ermordeten waren Mitglieder des kommunistischen Widerstands und wurden 1943 in München-Stadelheim mit dem Fallbeil enthauptet. In den 50ern wurden insgesamt elf hingerichtete Mitglieder des politischen Widerstands aus Salzburg auf dem Forstfriedhof in München-Perlach exhumiert und sechs davon im Grab des Salzburger KZ-Verbandes am Kommunalfriedhof bestattet. Die anderen fünf Ermordeten fanden in ihren Familiengräbern die letzte Ruhe. Insgesamt wurden in der Stadt Salzburg mehr als siebzig Aktivisten des kommunistischen und sozialdemokratischen Widerstandes von NS-Schergen hingerichtet, kamen in Konzentrationslagern und Haftanstalten ums Leben oder starben nach der Befreiung an den Haftfolgen. Ihre politische Tätigkeit bestand meist im Zahlen von Mitgliedsbeiträgen, in der Unterstützung von Angehörigen politisch Gemaßregelter und Verfolgter, in der Weitergabe politischer Schriften sowie im Werben von Mitgliedern. Das geheime Netzwerk wuchs in der Stadt Salzburg allmählich, flog aber durch einen Spitzel im Frühjahr 1942 auf.
Aus der Gedenkschrift des KZ- Verbands
“Ehrengrab für sechs während der NS-Diktatur als Widerstandskämpfer hingerichtete Salzburger”
Dieser spezifische Widerstand entstand ausgehend von einer kleinen Gruppe langjähriger kommunistischer Parteigänger, welche sich um die Person Franz Ofner sammelte. Bis 1940 wurden so mehrere kommunistische Zellen in verschiedenen Salzburger Stadtteilen geschaff en, wobei hier jene Kontakte hilfreich waren, die man
bereits während des Austrofaschismus gesammelt hatte. Zu einer der größten Widerstandsgruppen in Salzburg zählte die Eisenbahnerorganisation mit etwa 40 bis 50 Personen. Neuzugänge waren vor allem aus der sozialdemokratischen Arbeiterschaft zu verzeichnen. Enttäuscht über ihre sozial festgefahrene Situation und die zunehmenden Belastungen durch den Krieg wendeten sich ArbeiterInnen in überschaubarer Zahl der illegalen KPÖ zu. Zu einem Zweckbündnis mit SozialdemokratInnen und konservativen AntifaschistInnen kam es aber nicht. Als ein Einzelfall kann hier die Anwerbung des Hauptschullehrers Josef Reischenböck aus dem konservativ christlich-sozialen Milieu gelten.
 
Die politische Tätigkeit der KP bestand in der Verbreitung politischer Schrift en innerhalb der Organisation, Mitgliederwerbung im engsten Kreis, Einhebung der Mitgliedsbeiträge, Unterstützung von GenossInnen und Familien, die in Not gerieten und der Versuch, die verschiedenen Gruppen in losem Kontakt zu halten. Auf eine öff entliche Propaganda wurde jedoch verzichtet. Die Landesleitung der KPÖ Salzburg bestand von 1940 bis zu ihrer Aufdeckung im Januar 1942 aus Franz Ofner, Anton Schubert, Anton Reindl, Georg Hofweirer und Karl Schallmoser. Mindestens 79 Aktivistinnen und Akti-visten aus den kommunistischen und sozialistischen Widerstandsgruppen in Stadt und Land Salzburg kamen in Konzentrationslagern oder Zuchthäusern zu Tode. Für den Historiker Hanns Haas bedeutete der Beitritt zur KPÖ und erst recht die Funktionärsarbeit „einen bewussten Loyalitätsbruch mit dem nationalsozialistischen System, welches unbedingte Unterwerfung verlangte. Den illegalen KommunistInnen war Dachau nach den präventiven Verhaft ungen des Jahres 1938 nur zu gut bekannt. lhr Widerstand war ein politischer, an seinem fernen Ende stand der Sturz des NS-Systems.”

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