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Die französischen Gelbwesten – eine soziale Bewegung neuen Typs?

Seit über fünf Monaten bestimmen in Frankreich die sogenannten „Gelbwesten“ die öffentliche Debatte. Doch seit dem Beginn der Bewegung, ist sich die Öffentlichkeit uneins darüber, welche politische Farbe die „Gelbwesten“ besitzen. Es mangelt nicht an Stimmen, die nachdürcklich auf rassistische und antisemitische Tendenzen verweisen. Andere BeobachterInnen pochen darauf, dass die progressiven Inhalte überwiegen.

Doch wie lässt derartig heterogene erscheinende Bewegung fassen, die scheinbar plötzlich im ganz Frankreich auftauchte? Noch dazu, wenn man bedenkt, dass diese soziale Bewegung im letzten halben Jahr selbst laufend Veränderungen durchlebte?

Anhand aktueller empirischer Forschungsarbeiten wird Sebastian Chwala, Politikwissenschafter aus Marburg und Buchautor, aufzeigen, welche Themen die „Gelbwesten“ zusammenführen und wie insbesondere die Politik der letzten Jahre den Boden bereitete für eine derartige langlebige soziale Bewegung, welche jetzt bereits zu den längsten der jüngeren französischen Geschichte gehört.

Robert Foltin: Die Rätebewegung in Österreich 1918 -1919

Nach den Russischen Revolutionen 1917 zerfiel im Herbst 1918 auch die österreichisch-ungarische Monarchie. Würde sich die „österreichische Revolution“ auf eine parlamentarische Demokratie beschränken? Die Ausrufung der Ungarischen und der Bairischen Räterepublik im Frühjahr 1919 beschleunigte die Entwicklung noch einmal. Hunderttausende Arbeiter_innen und Soldaten organisierten sich in Räten – sowohl als Akt sozialer Notwehr, aber auch im Sinne der Idee einer dauerhaften antikapitalistischen Gesellschaftsformation, einer konkreten Utopie.

So greifbar nahe war eine antikapitalistische und libertäre Emanzipation noch nie, weltweit, in Europa und auch hierzulande.Wäre in jenen ereignisreichen Monaten der Nachkriegszeit eine andere Entwicklung der Gesellschaft, ein anderer Gang der Geschichte, möglich gewesen? Lassen sich Verbindungen zu aktuellen sozialen Bewegungen oder auch vergangenen und zukünftigen Aufständen finden?.

Anna Leder, Mario Memoli, Andreas Pavlic (Hg): Die Rätebewegung in Österreich. Von sozialer Notwehr zur konkreten Utopie. Mandelbaum Verlag.

Retten und Sterben lassen. Über Machtkämpfe und Menschenrechte

“500 Meter unter der Moonbird liegt das Meer. Die Wasseroberfläche ist gleichförmig zerklüftet und immer in Bewegung. Die wenigen Schaumkronen zerstäuben nach wenigen Sekunden langsam in alle Richtungen.”

Zitat aus einem Artikel von der Tageszeiting: neues Deutschland: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1082190.seenotrettung-auf-dem-mittelmeer-wir-sind-ein-auge-fuer-alle.html

Präsentation [termitinitus.org empfielt sie beim anhören anzusehen]

Tamino Böhm ist Einsatzleiter des Aufklärungsflugzeugs Moonbird und hat mit eigenen Augen gesehen, was die EU am liebsten unter den Tisch kehrt.

Bild: Selene Magnolia/Sea-Watch

Bild: Selene Magnolia/Sea-Watch

Die Moonbird ist eines der beiden Suchflugzeuge, die die
Seenotrettungsorganisation Sea-Watch zusammen mit zwei
Partnerorganisationen betreibt. Inzwischen sind sie oft die einzigen Zeug*innen von dem, was im zentralen Mittelmeer passiert. Dadurch, dass viele Schiffe kriminalisiert und an der Rettung gehindert werden, wird nicht nur in Kauf genommen, dass die Überfahrt für Flüchtende gefährlicher wird, sondern auch, dass die Zivilbevölkerung nicht mehr Zeugin wird, von dem, was die EU und ihre Komplizen im Mittelmeer aufbauen, um mit allen Mitteln zu verhindern, dass es Menschen nach Europa schaffen.

Dabei nehmen EU-Staaten oft das Biegen und Brechen von internationalem Recht in Kauf. Der Vortrag soll veranschaulichen, was rechtlich notwendig wäre, und wie die EU versucht diese Verpflichtungen zu umgehen.

Hoch der 1. Mai! | Für die Anarchie!

Der 1. Mai und eine anarchistische Perspektive darauf

Quelle: (B) Anarchistische Beiträge zum ersten Mai 2013 – Broschüre

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Dieser Text soll uns allen noch einmal ins Gedächtnis holen, welche Geschichte der 1. Mai als internationaler Feiertag hat, und, dass in der Entstehung dieses Tages ein Stück anarchistischer Historie zu finden ist. Wir möchten mit diesem
Beitrag versuchen unsere Teilhabe an diesem einen Tag der Auflehnung zu begründen und noch einmal mehr das Bewusstsein für ihn schärfen.
Auch und gerade deshalb erscheint es uns wichtig uns mit dem Entstehungstag 1886 auseinander zu setzen und auf eben dessen Geschichte verweisen. Dieser Text erzählt allerdings ‘nur’ die Geschichte der Haymarket Ereignisse, er lässt die weiteren 127 Jahre Geschichte rund um den 1. Mai außen vor, welche durchaus auch anarchistische Motivationen beinhalten.

Die Haymarket Affäre

Die Ursprünge des 1. Mai liegen in den USA. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts kamen mit der Einwandererwelle aus Europa viele in ihrer Heimat verfolgte Sozialist_innen und Anarchist_innen in die USA. Während der Neuorganisierung der nordamerikanischen Arbeiterbewegung spielten sie eine wichtige Rolle.
Anarchist_innen wollten damals wie heute eine Gesellschaft ohne Herrschaft des Menschen über den Menschen aufbauen. Vor allem in Chicago, eines der großen Industriezentren, wurden sie zur treibenden Kraft der Arbeiterbe-
wegung. Viele Gewerkschaften und Zeitungen wurden von ihnen ins Leben gerufen. Bereits in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden von Anarchist_innen und Sozialist_innen die Forderung nach einem 8-Stunden-Tag
in den USA aber auch in sämtlichen Ländern auf dieser Welt, erhoben. 1884 wurde die Forderung auf dem „All- Unions Day“ der Gewerkschaften erneut gestellt und eine landesweite Kampagne beschlossen. Durch eine großangelegte Streikoffensive und einen landesweiten Generalstreik am 1. Mai 1886 sollte der 8-Stunden-Tag endgültig durchgesetzt werden. Anarchist_innen wurden, wie ein Chronist der Arbeiterbewegung schrieb, zum Motor und revolutionärern-Spitze der gesamten Bewegung.
Am 1. Mai 1886 wurde der Generalstreikaufruf von 350.000 Arbeiter_innen befolgt, davon 40.000 aus Chicago. Unternehmen setzten Streikbrecher, Polizei und privat angeheuerte Söldnertruppen gegen die Streikenden ein. Am
3. Mai fand in der Nähe der Landmaschinenfabrik McCormick eine Massenveranstaltung der Holzarbeitergewerkschaft statt. Die Polizei überfiel die Versammlung und erschoss 4 Arbeiter. Einen Tag später versammelten sich aus Protest darüber tausende auf dem Chicagoer Haymarket. Als die Versammlung begann sich
aufzulösen, wurde sie von einer Polizeieinheit angegriffen. Augenblicke später detonierte eine Bombe, die von einem Unbekannten geworfen wurde. Bis heute ist nicht geklärt, ob es sich um einen “Provokateur“ handelte. Die Polizei eröffnete sofort das Feuer auf die fliehenden Männer, Frauen und Kinder. Der ganze Platz war von Leichen übersät.
Da auch sieben Polizisten getötet wurden, hatten Staat und Unternehmer nun endlich einen Vorwand um gegen die Arbeiter_innenbewegung vorzugehen. Hunderte von Arbeiter_innen, egal ob aus anarchistischen, sozialistischen
oder kommunistischen Kreisen, wurden verhaftet. Den prominentesten Anarchisten wurde wegen der Haymarket Vorfälle der Prozess gemacht. Obwohl nachgewiesen war, dass keiner der Angeklagten die Tat hätte begehen können, wurde gegen sie ein Schauprozess eröffnet. Da es keine Beweise für die Mordanklage gab, hieß
es danach, sie seien an einer Verschwörung beteiligt gewesen und hätten Artikel verfasst, in denen zum Umsturz der bestehenden Verhältnisse aufgerufen worden sei. Damit seien sie verantwortlich für die Tat, da sie die Täter_innen
inspiriert hätten. Am 20. August 1886 wurden Todesurteile gegen die Angeklagten verkündet. Die Schlussreden der Verurteilten wurden als “Anklagen der Angeklagten” weltberühmt. Sie waren ein Manifest gegen die Ausbeutung und
für eine freie, menschliche Gesellschaft ohne soziale Ungerechtigkeit. Die vier Anarchisten Parsons, Engel, Fischer und Spiess wurden am 11. November 1887 gehängt. Ein weiterer Anarchist, aus Deutschland in die USA eingewandert, Louis Lingg beging einen Tag vor seiner Hinrichtung vermutlich Selbstmord. Linggs Worte zu dem gesprochenen Todesurteil…

„Ich sterbe glücklich am Galgen, denn ich bin überzeugt, dass die Hunderte und die Tausende, mit denen ich gesprochen habe, sich meiner Worte erinnern werden. Wenn sie uns erhängt haben, erst dann werden sie das Bombenwerfen erledigen. In dieser Hoffnung sage ich ihnen: Ich verachte Sie, ich verachte Ihren Auftrag, Ihre Gesetze, Ihre Gewaltherrschaft. Hängen Sie mich dafür.“

Die anderen Angeklagten wurden zu Haftstra-fen verurteilt und nach 7 Jahren, ebenso wiedie Hingerichteten vom neuen Gouverneur fürunschuldig und zu „Opfern eines Justizmordes“erklärt.
Die Demonstrationen am 1. Mai, die in der Fol-ge des Haymarket Massakers, überall auf derWelt abgehalten wurden, waren in Spanien amstärksten. Der 1. Mai 1890 bildete dabei den Auf-takt zur bis dahin größten europäischen Streik-welle, die erst am 8. Mai in seiner Allgemeinheitfür beendet erklärt wurde.

Für ein besseres Verständnis was wir in diesem Tag sehen…

Die Anarchist_innen in Chicago sind nicht fürdie Arbeit gestorben und noch weniger für die40 Stunden Woche. Sie wollten die Gesellschaftabschaffen und diese bis zu den Wurzeln ver-nichten, um eine neue Welt aufzubauen. Mitdem Kampf für den 8 Stunden Arbeitstag warder Versuch unternommen worden, den Arbeitszwang auf eine würdevollere Bezahlung und weniger Ausbeutung der Arbeiter_innen hin zu verändern. In den Prozessen dieses Arbeitskampfes fanden hohe Selbstorganisation der Arbeiter_innen und eine generelle Auflehnung gegen die Unterdrückung des Kapitals statt. Niedergeschlagen wurde diese Selbstorganisation durch massive Repression mit Todesfolgen. Wir sehen also mehr als nur den reformerischen Kampf für besser Arbeitsbedingungen in dieser Phase. Wir sehen auch eine Auflehnung gegen die bestehenden Verhältnisse, die Missstände sowie die Ausbeutung und Unterdrückung der
Menschen durch die Herrschenden und das Kapital. Daher wollen wir den ersten Mai als den Tag gegen die Arbeit und ‘unser’ gesellschaftliches Konzept von Arbeit und Konsum feiern und dementsprechend agieren.
Alte, abgelaufene Parolen und langweilige, ritualisierte Demonstrationen ziehen durch die Straßen, um den Herrschenden zu zeigen, dass ‘Wir’, als die Massen kontrolliert sind und auf ihr Regelwerk gehorchen. Wir, die Menschen, die in dieser Gesellschaft leben wissen nicht was Freiheit ist. Genauso wenig wie ein Löwe, der im Zoo
aufwächst und stirbt, niemals die Freiheit sehen wird und daher nicht wissen kann was Freiheit ist. Es bleibt uns nur das Streben danach, das Kämpfen dafür….
Natürlich kann es ein Leben ohne die klassische Lohnarbeit geben. Durch die bewusste radikale Aktion der  Enteignung der Waren z.B. durch Diebstähle, oder auch die Besetzung von leerstehenden Häusern, mit dem Versuch „freie“ Räume zu schaffen, um diese als Ausgangspunkt direkter Aktionen und Selbstverwaltung zu nutzen.
Wir sind Feinde von Unterdrückung, Konsum und Gehorsamkeit und deswegen auch Feinde der Arbeit. Wir wollen leidenschaftlich Zeit und Arbeit in Dinge investieren, die uns interessieren oder die wir als notwendig erachten. Das
kann und wird innerhalb der Logik des Kapitalismus nicht realisiert werden. Und selbst falls ein Individuum in dem ausgeübten Job seinen persönlichen Interessen nachgehen kann, ist diese Person in der Zwangsjacke der Lohnsklaverei gefesselt.
Der erste Mai ist für uns eine Feier der Konflikte mit dieser Gesellschaft. Er ist für uns eine Feier gegen die Arbeit und gegen die Warenlogik dieser Gesellschaft. Denn diese uns aufgezwungenen Ketten, lassen nicht zu, dass wir frei leben, solange wir uns nicht von ihnen befreien. Wir hassen die Logik dieser durch Arbeitswahn geprägten Gesellschaft!
Wir wollen keine Chefs, Politiker_innen oder Vertreter_innen! Wir kämpfen für Freiheit, Eigenverantwortlich-
kit, Selbstorganisation und Kollektivität! Dieser Staat und die Menschen die ihn unterstützen kotzen uns an! Tot allen Staaten!

Für die Anarchie!

1. Mai Demo 2018 in Salzburg

START: 11:00 Uhr beim Salzburger Hauptbahnhof (Vorplatz)

GEGEN WOHNUNGSNOT, KLIMAKRISE & SOZIALKÜRZUNGEN – 1. MAI DEMO IN SALZBURG

Wohnen wird in Salzburg immer teurer. Während die Menschen nirgends so viel von ihrem Einkommen für Wohnen bezahlen müssen wie in Salzburg, tut die Stadtregierung zu wenig und profitieren Immobilienfirmen und Investoren. Gleichzeitig greift die Bundesregierung die Interessen aller Arbeitenden massiv an: der 12-Stunden-Tag, die Zerschlagung der Krankenkassen, die Abschaffung der Notstandshilfe und die Kürzung der Mindestsicherung sind unsoziale Maßnahmen auf Kosten vieler, während einige wenige Unternehmen und Vermögende davon profitieren.

Mit Rassismus, der Aushöhlung der Grundrechten und demokratiefeindlichen Angriffen auf Medien, Rechtsstaat und Mitbestimmung versucht die Bundesregierung ihre Politik auf Kosten der Mehrheit durchzuboxen.

Gleichzeitig droht die Klimakrise unsere Lebensgrundlagen zu zerstören. Der herrschenden Politik stellt die Profite der kapitalistischen Unternehmen über die Zukunft der Menschheit. Auch in Salzburg weigert sich die Politik, die Weichen hin zu einer sozialen, umweltverträglichen Zukunft zu stellen.

WIR WISSEN: ES GEHT AUCH ANDERS!

Eine solidarische Gesellschaft ist möglich, in der niemand mehr Angst haben muss, sich das Wohnen nicht mehr leisten zu können oder ab brutalen Arbeitsmarkt zurückgelassen zu werden. Wir wollen eine Gesellschaft, in der die Bedürfnisse der Menschen zählen und nicht die Profitinteressen des Kapitals.

Wie bei jeder Verbesserung, die in der Geschichte erkämpft wurde, braucht es dafür viele Menschen, die sich dafür einsetzen, auch am 1. Mai!

Wir laden alle Salzburgerinnen und Salzburger am 1. Mai, den Tag der Arbeit, zur gemeinsamen Demonstration ein – für leistbares Wohnen, den Schutz unserer ökologischen Lebensgrundlagen und für eine solidarische Gesellschaft frei von Angst und Ausbeutung!

START: 11:00 Uhr beim Hauptbahnhof (Vorplatz)
ROUTE: Hauptbahnhof Vorplatz – Elisabethstraße – Saint-Julian-Straße – Lehener Brücke – Strubergasse – Rudolf-Biebl-Straße – Neue Mitte Lehen
FEST: ab 13:00 Fest im Garten des Volkshauses, Elisabethstraße 11!

ZUR DEMONSTRATION RUFEN AUF:
Arbeiterkammer Salzburg
Alewitischer Kulturverein
Aktion Kritischer SchülerInnen Salzburg
ARGE Wehrdienstverweigerung
Aufbruch für eine ökosozialistische Alternative
Bleiberechtsgruppe Salzburg
Bürgerliste/DIE GRÜNEN
AUGE
Chor d’accord
CHP-Salzburg
Die Linke Salzburg
Fridays for Future
Gewerkschaftlicher Linksblock
Grüne Jugend
GRAS
Infoladen Salzburg
Internationaler ArbeiterInnenverein
Junge Linke
JUSOS
KPÖ PLUS Salzburg
KPÖ
ÖH Salzburg
Plattform Menschenrechte
SLP
Soli.Café
Solidarisches Salzburg
Solidaritätskomitee Mexiko Salzburg
Talk Together
terminitus.org
VSStÖ Salzburg

Termitinitus.org sorgt für musikalische Beschallung und Audio-Aufzeichnung der Redebeiträge.

Liedtexte zum Mitsingen: Bitte ausdrucken

Wir sehen uns bei der Demo!!

Jopa Jotakin ließt

jopa jotakin präsentiert am letzten abend im soli.cafe keine kochrezepte. wörter und sätze werden zerhackt, zerschnipselt und frittiert, dass die buchstabensuppe nur so spritzt und die sprachpanier uns um die ohren staubt. dies ist keine kochschow.

zum essen wird es trotzdem etwas geben. zum trinken sowieso.

Foto: Andrea Knabl

Homepage von Jopa: https://www.jopa-jotakin.at/

Weitere Lesung auf Termitinitus: https://termitinitus.org/jopa-jotakin-lesung/3502

Vortrag und Diskussion: Was plant Schwarz-Blau?

Soziale Kürzungen, Hetze gegen MigrantInnen sowie die Aufrüstung und Umfärbung des Staatsapparats – Die Leitlinien der schwarz-blauen Regierung sind inzwischen klar zu erkennen. Was planen die beiden Parteien als nächstes? Gibt es Bruchlinien innerhalb der Regierung und ihrer WählerInnen? Welches strategische Projekt haben ÖVP und FPÖ? Und gibt es Ansätze für den Widerstand?

Der Wiener Journalist und Autor Michael Bonvalot ist ein genauer Beobachter der aktuellen Lage und schreibt regelmäßig über die Politik und Pläne von Schwarz-Blau. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Die FPÖ – Partei der Reichen“. Mit ihm wollen wir über die Politik von Schwarz-Blau sprechen – und über all das, was noch kommen könnte.

Retten wir gemeinsam das Internet!

Demo am 23.März um 14:00 Uhr am Hauptbahnhof Salzburg Savetheinternet.info

Facebook Event von Salzburg

Nähere Inos findet ihr in der letzten Podcast Folge von Lets Netz | Der Chaostalk | Technik Web Politik: ln_0052: Sicherheitslücke bei der Arbeiterkammer, EU-Urheberrechtsreform

Lesung & Musik & Drinks Georg Fingerlos, Corinna Denk

Der Historiker Georg Fingerlos liest über den Ersten Weltkrieg, über einen Aufruhr in Graz, über den Fenstersturz in St. Lorenzen und über die Bahnhofsbesetzung von Judenburg. Die Musikerin Corinna Denk sorgt für hervorragende Musik und das Soli.Cafe für sehr gute Drinks! / Eintritt frei! Rest Hut! . http://www.bahoebooks.net/start_de.php?action=204&a=32

Nazis im Parlament

Hier gibts ein Interview mit Ypóptou Moúsi (übersetzt „Verdächtiger Bart“). Er spricht zum aktuellen Verbots- Prozess gegen die Goldene Morgenröte, eine nationalsozialistische Partei im griechischen Parlament. In seiner Webshow im Youtube- Kanal OmniaTV informiert er laufend über den Prozess und bringt Daten und Beweismaterialien an die Öffentlichkeit. Im Interview erklärt er den Aufstieg der Morgenröte und spricht im Hinblick auf die kommenden Wahlen in Griechenland
über seinen Weg der antifaschistischen Aufklärungs- Arbeit.

Auf der Straße



Griechische Nazis 
Die „Goldene Morgenröte“ ist eine griechische nazistische Organisation. Jahre lang war sie eine Randgruppe, die offen mit Nazi-Symbolen auftrat, aber nie als Gefahr ernstgenommen wurde. Seit den Nuller Jahren tritt die Goldene Morgenröte als Partei zu Wahlen an. Es folgte das bekannte Wahlergebnis bei der Nationalwahl
2012, wo Chrysi Avgi es schaffte, mitten in der griechischen Finanz– und Politikkrise, mit einer großen Fraktion ins Parlament einzuziehen. Die Partei erhielt 6,98% (440.000 Stimmen) und erlangte damit 18 Mandate. Dieser raketenhafte Aufstieg lässt sich auf verschiedene Gründe zurückführen, vor allem die Austeritätspolitik seit 2009 und die damit einhergehende Aussichtslosigkeit, und Rekordhöhe der Arbeitslosigkeit, der latente und später offene Rassismus der griechischen Gesellschaft, die Annahme einer neonazistischen Agenda und Rhetorik durch konservative Parteien, die Salonfähigkeit einer rechtsextremen Partei (LAOS) durch Regierungsbeteiligung, die Unterstützung von Chrysi Avgi durch bestimmte Medien, die Verflechtung ihrer Mitglieder mit staatlichen Institutionen – vor allem die Infiltrierung des Polizeiapparats, die Entwertung des gesamten politischen Systems
und letztendlich der Demokratie.

Im Gericht

Verstärkt durch den Status einer parlamentarischen Partei, konnte Chrysi Avgi die Gewalttaten ihrer Sturmtruppen weiter betreiben: nächtliche Patrouillen durch Viertel, in denen viele MigrantInnen wohnen, Einschüchterung, Hetze, Angriffe auf AusländerInnen, Linke, Homosexuelle, GewerkschafterInnen, Aufruf zur Gewalt, Morde… Im Januar 2013 wurde der pakistanische Arbeiter Shehzad Luqman auf der Straße ermordet, im September desselben Jahres wurden GewerkschafterInnen der Kommunistischen Partei (KKE) brutal angegriffen, bis am 17.9.2013 der griechische Antifa-Hip-Hop-Musiker Pavlos Fyssas erstochen wurde. Dies war der Punkt, an dem die damalige Regierung beschloss, nach einer langen Periode des Duldens, endlich juristisch gegen Chrysi Avgi vorzugehen: Kurz nach dem Mord an Fyssas wurde die Parteiführung festgenommen und die Polizei leitete Ermittlungen ein.

Im Parlament

Auf 2.000 Seiten werden 69 Menschen wegen Mordes, versuchten Mordes, Gewalttätigkeit und illegalen Waffenbesitzes angeklagt. Manche von ihnen werden wegen Beteiligung und Führung einer kriminellen Vereinigung angeklagt. In diesem Mega-Prozess werden nur drei Fälle gemeinsam verhandelt: der Mordversuch an den ägyptischen Fischern in Perama, der brutale Angriff auf die KKE Gewerkschafter_innen in Keratsini, der Mord an Pavlos Fyssas. Dazu kommt die Anklage wegen Beteiligung an/Führung einer kriminellen Vereinigung.

Golden Dawn Watch 
Seit 2015 läuft der Prozess gegen die Goldene Morgenröte (Chrysi Avgi) in Athen. Golden Dawn Watch ist Beobachter und kritischer Begleiter der Verhandlungen.
Inspiriert durch NSU–Watch in Deutschland, werden am Ende jedes Prozesstages umfassende Berichte auf Griechisch und auf Englisch veröffentlicht um über die Vorgänge im Gerichtssaal zu informieren.
„Wir glauben, dass nur eine gut informierte und sensibilisierte Öffentlichkeit einen starken Widerstand gegen die Ausbreitung von Rassismus, Faschismus und Neonazismus und letztendlich gegen die Angst entwickeln kann.“




Die Links zum Interview: 
Dokumentation „Golden Dawn: A Personal affair“: https://www.youtube.com/watch?v=X9_8H33wloc

Golden Dawn Watch Initative http://goldendawnwatch.org

OmniaTV https://www.youtube.com/user/OmniaWeb

Lesung “Endstation Ananas”

Eine Woche im Leben zweier Freunde, von denen der eine einem Job nachgeht, der ihn langweilt, der andere arbeitslos ist. Froh macht sie ihre jeweilige Situation beide nicht. Während der eine verzweifelt versucht, sich vor der Arbeit zu drücken, wünscht sich der andere nichts mehr, als eine solche zu finden. Beides zehrt an den Kräften, und die sollten doch dafür verwendet werden, um zu leben: Musik, Trinken, Beziehungen. Letztere sind auch viel komplizierter, als man sich das immer vorgestellt hat. Im Verlauf einer Woche kann so viel passieren: Die neue Band eines Freundes spielt zum ersten Mal, man lernt eine Frau kennen und verliert sie wieder, und die Firma, bei der man arbeitet, geht den Bach hinunter. Andere haben es nicht viel besser: Auch deren Leben dreht sich um die Jagd nach Jobs und Aufträgen. Einige versuchen zumindest zaghaft, sich gegen diese Zumutungen zu wehren. Und zwischendurch blitzt dann tatsächlich für den gelangweilten Angestellten wie für den verzweifelten Arbeitslosen der eine oder andere Hoffnungsschimmer auf.

Simon Loidl

geboren 1977. Nach endlos erscheinenden Schuljahren Studium der Geschichte, Germanistik und ein bisschen Philosophie. Währenddessen und danach viele Jobs, unter anderem als Pizzafahrer, Billeteur, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Museumsaufseher, Redakteur, Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrer, freier Journalist und Antiquariatsangestellter, zwischendurch arbeitslos.
Sachbuchveröffentlichungen: »Eine spürbare Kraft« (Promedia 2015), »Europa ist zu enge geworden« (Promedia 2017)