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Der Mythos Eternauta

 

Erstmals in Österreich: Die Comic-Ausstellung “Der Mythos Eternauta” – bis 6. April 2017 im Literaturhaus Salzburg – ist eine beeindruckende literarisch-künstlerische Dystopie als Metapher über die Diktatur in Argentinien.

Der „Eternauta“ von Héctor Germán Oesterheld (Text) und Francisco Solano López (Zeichnung) gilt als einer der herausragendsten Comics des 20. Jahrhunderts. Es ist ein erstaunlich antizipatorisches Porträt der argentinischen Gesellschaft unter der späteren Militärdiktatur und das beklemmend poetische Hauptwerk von Oesterheld, der 1977 verschleppt wurde und nie mehr auftauchte. Die Graphic Novel-Ausstellung wird erstmals in Österreich gezeigt!

Zur Eröffnung der Comic-Ausstellung DER MYTHOS ETERNAUTA sprechen der Berliner Verleger Johann Ulrich und die Kuratorin Anna Kemper mit der argentinischen Bloggerin und Künstlerin Cristina Colombo sowie Literaturhaus-Leiter Tomas Friedmann über Comic und Diktatur in Argentinien. Musik: DUO XYMBAL mit Daniela Canale & José Fernando Elías aus Argentinien.

Buenos Aires, Ende der 50er Jahre. Juan Salvo sitzt mit seiner Frau, seiner Tochter und Freunden beim Kartenspiel, als es zu schneien beginnt. Der Schnee, der auf die Stadt fällt, ist tödlich, sein Gift dringt durch jede Ritze. Außerirdische haben Buenos Aires erobert, mit Hilfe des Schnees, mit Rieseninsekten und versklavten Wesen eines anderen Planeten töten SIE die Bewohner der Stadt oder verwandeln sie in Robotermenschen. Juan Salvo und seine Freunde gehören zu den wenigen Überlebenden. Und sie entschließen sich, gegen SIE, den übermächtigen Feind, in den Kampf zu ziehen. Ein Kampf, bei dem Juan Salvo nicht nur sein eigenes Leben aufs Spiel setzt,  sondern auch das seiner Familie …

Héctor Germán Oesterheld, geboren am 23. Juli 1919 in Buenos Aires als Sohn europäischer Einwanderer. Begann während des Studiums zu schreiben, arbeitete als Journalist und gründete 1957 einen Verlag, u.a. um seine Graphic Novels zu veröffentlichen, mit denen er bekannt wurde. 1976 verhaftete ihn die Militärjunta – und er „verschwand“ ebenso wie seine vier Töchter. Die Ehefrau und Mutter gehörte zu den ersten Mitgliedern der berühmten Protestbewegung „Madres de Plaza Mayo“.

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Fotos

Danke an Rita für die tollen Fotos

 

Sarmaparty

Rezepte

mit Fleisch

  • Zwiebeln, Knoblauch, Speck in Pfanne anrösten, dann Fleisch, Reis und Petersilie dazu (gut durchbraten)
  • mit Vegeta, Pfeffer und Salz würzen
  • abkühlen lassen
  • Topf unten mit Krautblättern auslegen, darauf Masse in Kraut einwickeln und Wickler in den Topf (kleine Krautblätter einfach in den Topf dazuschneissen)
  • 2 Stunden in Wasser kochen
  • Einbrenn machen in Pfanne: Öl, Ketchup, Tomatenmark, Paprikapulver, Mehl, mehr Knoblauch scharf anrösten
  • Einbrenn über die Krautwickler giessen
  • 2 Stunden Kochen lassen und servieren

Vegan

  • Sojagranulat in Suppenpulver einlegen
  • Zwiebeln, Knoblauch, Karotten, Selerie, Sojagranulat, Räuchertofu, Reis , in Pfanne anrösten, dann Petersilie dazu (gut durchbraten)
  • mit Sojasauce, Vegeta, Pfeffer und Salz würzen
  • abkühlen lassen
  • Topf unten mit Krautblättern auslegen, darauf Masse in Kraut einwickeln und Wickler in den Topf (kleine Krautblätter einfach in den Topf dazuschneissen)
  • 2 Stunden in Wasser kochen
  • Einbrenn machen in Pfanne: Öl, Ketchup, Tomatenmark, Paprikapulver, Mehl, mehr Knoblauch scharf anrösten
  • Einbrenn über die Krautwickler giessen
  • 2 Stunden Kochen lassen und servieren

Dazu gabs Kartoffelpürree

Fotos

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Weitere Podcasts mit Djoki Django und Lina auf Termitinitus

 

Antikommunistischer Prozess in München

Ihr hört ein Gespräch am Rande des TKP/ML- Prozesses vom 19. Dezember in München. Vor den Toren des Gerichtsgebäudes vom Strafjustizzenturm Nymphenburger Straße gab es wieder eine lautstarke, solidarische Kundgebung für die gefangenen GenossInnen. Außerdem wurde den 32 Toten des Massakers an hungerstreikenden politischen Gefangenen in türkischen Gefängnissen im Jahr 2000 gedacht.
Wegen Lautstärke und Kälte zogen wir uns für das Interview auf eine Tasse Tee in ein Chinesisches Lokal zurück. Das anfängliche Gebimmel der Eingangstüre beruhigt sich schnell..

 

Der Prozess

Am 15. April 2015 wurden zehn GenossInnen festgenommen. Der Vorwurf: „Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung“ nach §129b. Seitdem sitzen Erhan Aktürk, Sinan Aydin, Haydar B., Dilay Banu Büyükavci, Musa Demir, Müslüm Elma, Deniz Pektas, Sami Solmaz, Seyit Ali Ugur und Mehmet Yesilçalı in Stadelheim im Knast. Mitte Juni diesen Jahres begann der Prozess vor dem Oberlandesgericht in München, im Sitzungssaal A101, in dem sonst der Prozess gegen die Mörderbande des NSU stattfindet. Dabei werden den GenossInnen keine direkten Straftaten vorgeworfen, sondern lediglich die Mitgliedschaft in der Partei TKP/ML (Türkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten). Diese ist allerdings in Deutschland überhaupt nicht verboten und lässt sich auch auf keiner internationalen Terrorliste finden.

Trotzdem führt die deutsche Justiz diesen größten Staatsschutzprozess in der BRD seit Ende der 80er und macht sich damit zum Handlanger des AKP-Regimes, das seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei ganz offen versucht, jegliche Form der Opposition zu zerschlagen. Die Anklage stützt sich hauptsächlich auf angebliche Erkenntnisse der für ihre Folterpraxis berüchtigten türkischen Polizeibehörden.

Um die politischen Beziehungen zur Türkei zu stärken, ermöglichte das Bundesjustizministerium durch die sogenannten Verfolgungsermächtigungen eine Welle der Repression gegen linke türkische und kurdische Organisationen in Deutschland in einem Ausmaß, das es bisher noch nicht gegeben hat. Und diese Verfolgungswelle ist wahrscheinlich noch lange nicht beendet.

Durch monatelange Isolationshaft wird versucht, den Kampfeswillen der Gefangenen zu brechen. Zusätzlich werden auch den VerteidigerInnen so viele Steine wie möglich in den Weg gelegt. Sie können nicht direkt mit ihren MandantInnen kommunizieren, die VerteidigerInnenpost unterliegt einer permanenten inhaltlichen Kontrolle durch einen Richter, die Zustellung wird massiv verzögert und die vetrauliche Post zwischen den Gefangenen und deren VerteidigerInnen wurde teilweise sogar in die Türkei weiter geleitet.
Wir unterstützen als Teil der Solidaritätsbewegung die Forderung der Verteidigung nach sofortiger Einstellung des Verfahrens und rufen alle linken Organisationen zur Solidarität mit den angeklagten GenossInnen auf.

Der Paragraph §129a/b
Auf dem Höhepunkt der staatlichen Repression, die sich in den 1970er Jahren gegen die gesamte radikale Linke richtete und die vor über 30 Jahren im „Deutschen Herbst“ gipfelte, wurde 1976 ein Gesetz verabschiedet, das dem innerstaatlichen Kampf gegen die Linke völlig neue Dimensionen verlieh: Der Paragraph 129a, der die „Bildung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“ ahndet, sieht keinerlei individuellen Tatnachweis mehr vor. Wer – tatsächlich oder angeblich – einer Gruppe angehört, die nach der Definition der Repressionsorgane als „terroristisch“ eingestuft wird, verliert im Zuge der Ermittlungen wesentliche Grundrechte. Mit dem Vorwand einer 129a-Ermittlung lässt sich nahezu jede Überwachungs- und Bespitzelungsmaßnahme begründen, VerteidigerInnenrechte und prozessuale Standards außer Kraft setzen und Haftbedingungen exerzieren, die international zu Recht als „weiße Folter“ bezeichnet werden.
War der §129a zunächst noch als außergewöhnliche Abwehrmaßnahme im Kampf gegen die Stadtguerilla begründet worden, wurde er sehr bald zum festen Bestandteil der staatlichen Repression gegen die gesamte Linke. Seither hat bereits die Beschäftigung mit „anschlagsrelevanten Themen“, also letztlich jede radikale kritische Auseinandersetzung mit den herrschenden Verhältnissen, immer wider zu massiver Repression und auch zu langen Haftstrafen geführt.

Seit der Einführung des §129b ist nicht einmal mehr irgendeine politische Aktivität innerhalb der BRD nötig, um eine Organisation als „terroristisch“ zu verfolgen. Auch der Kampf gegen Unterdrückung in Staaten, die die BRD im weitesten Sinne als Verbündete betrachtet, kann nun zum Vorwand der Kriminalisierung verwendet werden.

Die Ermittlungen nach den Gesinnungsparagraphen §129a/b sind ausschließlich politische Repressionsmaßnahmen, die mit klassischer Strafverfolgung ebenso wenig zu tun haben, wie die möglicherweise folgenden Prozesse, in denen auf sämtliche rechtsstaatliche Standards verzichtet wird. Folglich können wir als linke Solidaritätsorganisation uns nicht darauf beschränken, den einzelnen absurden Tatvorwürfen mit entlastendem Material zu begegnen.
Politische Prozesse verlangen eine politische Antwort!

Rote Hilfe München

 

Prozess- Infoseite:  tkpml-prozess-129b.de

Infos zum Paragrafen 129 von der Roten Hilfe

 

 

Der NS- Faschismus in österreichischen Schulbüchern

„Langes Schweigen“ herrschte im Österreich der Nachkriegszeit über die dunklen Jahre des NS-Faschismus, auch und gerade in den Schulen. Robert Krotzer hat 30 Schul-Geschichtsbücher der Zweiten Republik darauf untersucht, wie in ihnen der Aufstieg des Faschismus, die NS-Ideologie, die Shoah oder auch der antifaschistische Widerstand über die Jahrzehnte hinweg dargestellt wurden. Daraus ist das Buch „Langes Schweigen. Der NS-Faschismus in österreichischen Schulbüchern“ entstanden, das einen kritischen Blick auf den „schlampigen“ Umgang Österreichs mit seiner braunen Vergangenheit freilegt, aber auch die Ermutigung für eine Geschichtsvermittlung, die gerade junge Menschen befähigen soll, aus der Vergangenheit für eine lebenswerte Zukunft zu lernen.

Hier gibts einen Vortrag von Robert Krotzer. Organisiert wurde die Veranstaltung zum Thema NS- Faschismus in österreichischen Schulbüchern von der STV Geschichte, dem KZ-Verband Salzburg und der KJÖ/KSV.

Krilit16 | Stefanie Sargnagel und Marko Dinić: Bachmann-Preis reloaded

 

Eine literarische Matinee zwischen Melange und Dosenbier.

Beide haben bei der diesjährigen Lesung für den Ingeborg- Bachmann-Preis überzeugt. Die Wienerin Stefanie Sargnagel räumte beim Wettbewerb den Publikumspreis ab. Der in Salzburg lebende, in Belgrad aufgewachsene Autor Marko Dinić heimste von der Jury viel Lob für seinen Vortrag ein. Er ist auch Gründungsmitglied des Kunst-Kollektivs Bureau du Grand Mot.

Beide werden ihre Texte der Bachmann-Preis-Veranstaltung bei der Sonntagsmatinee im Rahmen der Kritischen Literaturtage präsentieren, die Wahl der Getränke bleibt noch offen.

Lesung der Texte:

  • Marko Dinić: Als nach Miloševic das Wasser kam – Auszug aus einem Roman
  • Stefanie Sargnagel: Penne vom Kika
  • Gespräch mit Markus Grüner-Musil

Beim Bachmann-Preis

Homepage der Autor_innen

“Thank you to the fascists”

Zu hören gibts hier Stimmen aus einem Flüchtlingslager auf der Insel Chios in Griechenland. Sie berichten über die Lage im Camp und von Angriffen von Faschisten.

 

Seit im März dieses Jahres der EU-Türkei Deal abgeschlossen wurde, ist eine Weiterreise für ankommende Geflüchtete auf Chios Richtung Europa oder auch nur aufs griechische Festland nahezu unmöglich. Sind die wenigen, jedoch lebensgefährlichen Kilometer von der Türkischen Küste überwunden, finden sich die Geflüchteten in einem Gefängnis in Inselform wieder. Die Lager Vial und Souda sind überfüllt und die Versorgung schwer mangelhaft. So ist das Camp Souda seit einer Woche ohne Strom und die Zelte können auch bei kaltem Wind und Regen nicht beheizt werden. Einige der BewohnerInnen traten in den letzten Tagen in Hungerstreik, einer von vielen Hilferufe des letzten Jahres.

 

Die radikale Rechte im Aufschwung

Seit Sommer 2015 verfolgen wir die Situation auf Chios. Jeder unserer Besuche bot ein weiteres Szenario der Menschenverachtung. Von der „Unterbringung“ von Geflüchteten auf einem Friedhof ohne Dach über dem Kopf und Nahrung über die Kriminalisierung der Solidaritätsbewegung, bis hin zu faschistischen Angriffen. Die mehrtägigen Angriffe auf Geflüchtete im vergangenen November war einer der Höhepunkte. Schon Wochen zuvor hatten etwa 3.000 InselbewohnerInnen gegen Flüchtlinge und die Regierung demonstriert. Es war die größte Demonstration der Geschichte der Inselhauptstadt Chios, wo rund 25.000 Menschen leben.

Die rechtskonservative Mehrheit der InselbewohnerInnen hatte genug von den Nachrichten über Aufständen der im Elend lebenden Geflüchteten. Geschichten über gewalttätige und plündernde Flüchtlinge machten die Runde. Schon seit dem Aufstand im Lager von Vial und der darauffolgenden Hafenbesetzung im April,  nahmen die Übergriffe auf Geflüchtete und solidarische Menschen zu. Als sich Mitte November die Köpfe der rechtsradikalen Goldenen Morgenröte ein Stelldichein auf der Insel gaben, um die instabile Lage auf der Insel zu nutzen, eskalierte die Lage erneut. Einheimische und vermutlich auch vom Festland angereiste Faschisten starteten Angriffe auf das Lager von Souda. Dieses Lager befindet sich in einem Burggraben im Stadtzentrum und beherbergt etwa 1.000 Geflüchtete. Die mindestens fünfzig Angreifer waren teilweise mit Helmen und Stöcken ausgerüstet und attackierten die Geflüchteten von vier Seiten mit Brandsätzen und Steinen. Während die Geflüchteten die Angreifer am Hintereingang am Eindringen hinderten, brannten am Vordereingang schon die ersten Zelte.  Von der Burgmauer wurden bis zu fußballgroße Steine geworfen. Zweifelsfrei mit dem Ziel, Menschen schwer zu verletzen oder zu töten. Auch von den angrenzenden Häusern wurden Brandsätze und Steine geworfen. Erst drei Stunden nach den ersten Notrufen rückte die Bereitschaftspolizei an. Anstatt jedoch den Angriffen ein Ende zu setzen, wurden sie von der Polizei weitergeführt. Menschen die den Polizisten im Lager in die Quere kamen, wurden angebrüllt oder geschlagen. Etwa 40 BewohnerInnen des Lagers wurden verhaftet. Unter ihnen auch drei freiwillige HelferInnen. Auf der Polizeistation wurden die Festgenommenen schikaniert und beschimpft. Aus Angst vor angedrohten weiteren Angriffen von Polizei und Faschisten, verließen die betroffenen HelferInnen nach zwei Tagen Haft die Insel.

Es folgten weitere Tage der Eskalation. Abwechselnd tauchten Polizei und Faschisten rund um das Lager auf und es kam zu weiteren Angriffen. Bei einem davon erlitt eine Frau eine Fehlgeburt. Offiziell sprachen Ärzte von Schock als Ursache, die Frau berichtete jedoch, dass sie von Polizeibeamten geschlagen worden sei. Weitere Geflüchtete wurden verletzt und teilweise im Spital behandelt.

Nach Tagen der Gewalt änderte die Polizei ihre Taktik und präsentiert sich seither als Bewacher des Lagers. Dennoch: Keiner der Faschisten sitzt in Haft  und noch immer liegen auf den Balkonen der angrenzenden Häuser Steine wurfbereit.

 

„We want to say thank you to the fascists“

Ein Mann aus dem Libanon erzählt uns seine Eindrücke von den Angriffen. Die Faschisten sind anscheinend die Einzigen, denen wir wichtig sind, meint er. Dafür dankt er ihnen. Sie haben den Geflüchteten gezeigt, dass sie noch am Leben sind und ihnen wieder Energie gegeben. Er zwinkert, den Humor haben sie ihm noch nicht genommen.

Die Insel ist für Geflüchtete und solidarische Menschen gefährlich geworden. Ein einheimischer Helfer wurde auf offener Straße von einem Mob zusammengeschlagen, als er mit einer Familie Geflüchteter unterwegs war. Sich alleine bei Dunkelheit auf der Straße zu bewegen, ist in bestimmten Teilen der Stadt riskant. Im Hafenbereich sind immer wieder Faschisten zu beobachten, welche bereit sind, Jagd auf Geflüchtete zu machen, die versuchen, auf das Schiff nach Piräus zu gelangen. Der Eingang zum Hafenbereich wirkt wie eine Hochsicherheitszone und wird von Frontex, Polizei, Hafenpolizei und Militär bewacht. Alle Reisenden werden einem kurzen Griechischtest unterzogen: „Taxidevete?“, Reisen Sie? Dokumente ausländischer Reisender werden genau auf Echtheit geprüft und auch mit Befragungen der Frontex- BeamtenInnen ist zu rechnen. Auch wir wurden aufgefordert, unseren Aufenthalt auf der Insel zu rechtfertigen.

Zerknirscht stehen wir an der Reling und starren auf unsere syrischen Freunde die uns „aus Sicherheitsgründen“ zum Hafen begleitet haben. Wir lassen sie zurück und begeben uns auf den Weg in den sicheren Hafen von Piräus.

Chios ist eine Pufferzone und soll denen, die auf der anderen Seite der Meeresenge warten signalisieren, ihr seid nicht willkommen. Das “Friedensprojekt” Europa verteidigt die tödlichste Grenze der Welt mit allen Mitteln. Auf europäischen Druck werden auf Chios Menschen festgehalten und zum Dahinvegetieren gezwungen. Der Wille von Menschen, die auf Suche nach einem neuen Leben sind, soll gebrochen werden. Nur wenige, willkürlich Ausgesuchte, so scheint es, schaffen es durch die langsam mahlenden Mühlen der Behörden und dürfen weiterreisen. Andere, die Geld auf der Seite haben, können riskieren, einen teuren, illegalen Weg zu finden.

Die Niedergeschlagenheit und Enttäuschung ist spürbar wie der eisige Winterwind. Keiner derer mit denen ich gesprochen habe, träumt noch von dem „sweet dream“ Europa. Der europäische Plan funktioniert. Für einige ist Athen das neue Ziel, andere wollen zurück nach Syrien. Lieber in Würde sterben, als hier zu leben wie die Tiere. Suizidgedanken häufen sich, die einzige Motivation weiterzumachen, ist oft die Zukunft von Kindern und Familien.

Wie sich die Situation von Tag zu Tag weiterentwickelt, ist unklar. Der Druck auf die Behörden wächst. Die Anwesenheit von solidarischen Menschen auf Chios und anderen Grenzzonen ist jedoch jederzeit notwendig. Leider sind im Laufe des letzten Jahres, auch aufgrund der Kriminalisierung der Solidaritätsbewegung, viele Leute von der Insel abgezogen. Wie wichtig jedoch die Anwesenheit ist, haben kürzlich auch die Richtigstellungen der Medienberichte über die Angriffe gezeigt. Zu Beginn sprachen europäische Medien von Attacken durch Flüchtlinge auf Einheimische. Nach Intervention und Richtigstellungen von freiwilligen HelferInnen wurden Berichte umgeschrieben. Wir dürfen nicht müde werden uns an die Seite unterdrückter Geflüchteter zu stellen und versuchen ihre Stimmen zu stärken.

 

Nie wieder Faschismus – Nieder mit den Grenzen

 

Video von den Angriffen

Krilit16 | Erich Mühsam Revue: Maren Rahman, Didi Disko, Dieter Braeg

 

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Die Revue ist erschienen bei der Buchmacherei

Maren Rahmann und Dieter Braeg zeigen eine musikalisch-literarische Revue über den anarchistischen deutschen Schriftsteller und Publizisten.

Maren Rahmann und Dieter Braeg erstellten mit wenig eigenen Kommentaren aus dem Leben und Werk Erich Mühsams eine Revue zusammen, in deren Anhang auch der Lebenslauf von Kreszenzia Mühsam und Erich Mühsam dokumentiert sind. Der 50 Seiten starken Broschüre ist eine Musik-CD beigelegt auf der 15 Gedichte/Texte von Erich Mühsam vertont wurden, darunter „Ich bin ein Pilger“, „Ich möchte Gott sein“, „Lumpenlied“, „Kalender 1913“, „Das Trinkerlied“, „Der Revoluzzer“, „Kriegslied“, „Dies ist der Erde Nacht“, „Testament“.

Wenn Erich Mühsam nach Niederschlagung der Novemberrevolution im Jahre 1918 feststellte: „Bayern entwickelte sich nach der blutigen Niederschlagung der Räterepublik zur konservativ-nationalistischen „Führungskraft“ im Deutschland der Weimarer Republik, in der die  „Brutstätten des Nationalsozialismus entstanden“, bewies er damit nicht nur Scharfsinn für die Vergangenheit. Er lädt auch ein zu einem Blick in die Gegenwart, die zeigt, dass der Schoß, „der dies gebar, noch fruchtbar ist“, wie es Bertolt Brecht damals nach Kriegsende formulierte.

Maren und Didi mit eigener Band: Laut Fragen

Krilit16 | Gerald Grassl: Der Hegemon erwacht

 

Sagen und Geschichten zur Geschichte der Juden in Salzburg“ Band 2

Aus dem Vorwort: Das ist kein Sagenbuch, es ist auch kein Sagen- und Geschichtenbuch, erst recht keine wissenschaftliche Publikation. Vielleicht passt am besten die Bezeichnung „Materialsammlung“ von Sagen, Geschichten, Gedichten und wissenschaftlichen Beiträgen. Ursprünglich plante ich, unbekannte (nicht nur) jüdische Sagen aus Wien und den Bundesländern zu sammeln. Ich war der Ansicht, dass Sagen sozusagen „literarische Illustrationen“ zur Geschichte wären, doch je länger ich mich mit diesem Thema beschäftigte, umso mehr verstärkte sich mein Eindruck, dass die Mehrzahl der publizierten Sagen-Erzählungen im deutschsprachigen Sprachraum viel mehr Geschichtsfälschungen verstärken, also eher der Verdummung denn der Wissensvermittlung dienlich sind. Aber selbst die Geschichtswissenschaft muss laufend in ihren Erkenntnissen/Feststellungen revidiert werden …

Die Preformance auf der Bühne gemeinsam mit Duo Cantastorie

 

Krilit16 | Christian Kaserer: Stationen von Flucht und Widerstand – Von Zweig bis Rosa Hofmann

 

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Der Mozartstadt Salzburg brachte der NS-Faschismus die einzige Bücherverbrennung auf Österreichischem Boden. Wer konnte, der floh vor den Nazis oder leistete Widerstand. Anhand von exemplarischen zeitgenössischen Texten sollen Stationen von Flucht und Widerstand aufgezeigt werden. Es werden u. a. Schriften von Charlotte Herzfeld und A. M. Frey gelesen sowie bisher nicht bekannte Auszüge der Korrespondenzen von Rosa Hofmann und Stefan Zweig.

Krilit16 | Marlen Schachinger: Matiniloben

 

buch_ml_160Das Buch erschienen im Septime Verlag

Mona will der kalten Anonymität, dem aggressiven Gegeneinander und dem permanenten Stress in der Stadt entfliehen. Sie zieht in ein Dorf an der Landesgrenze, wo sie sich Ruhe und ein solidarisches Miteinander erhofft. Fortan pendelt sie zwischen beiden Lebenswelten und stellt fest, dass diese sich im Innersten ähneln. Das Dorf entpuppt sich als ebensolche Hölle wie die Stadt – nur mit einer anderen Dynamik: Mikrokosmos einer Gesellschaft, deren Klima durch Unsicherheit und Ängste dominiert ist, die einen radikalen Egozentrismus und rechte Tendenzen hervorrufen. Der vermeintlich erstarkte Gemeinschaftssinn äußert sich in manipulativer Sozialkontrolle: Fremdes wird kritisch beäugt, kommentiert und im Zweifel – ausgeschlossen. Als Mona sich für die im Dorf untergebrachten Flüchtlinge einsetzt, erfährt sie Missgunst und Ausgrenzung am eigenen Leib.

Durch Gerüchte genährt und Hetze geschürt, kippt die Stimmung im Dorf in Übergriffigkeit. Zum Martiniloben, dem Fest des Jahres, dem großen ländlichen Sauf- und Fressgelage, eskaliert die Situation.

»Hass ist ein verstohlen schleichendes Gift, das in der Angst wirkt.«

Ländliche Idylle – mehr Schein als Sein: Mona, ehrgeizige Doktorin der Philosophie, die an der Uni um ihre Professorenstelle kämpft und in ihrem Dorf um die politische Moral, muss lernen, dass ihr Engagement hüben wie drüben Ablehnung hervorruft. Als wäre das nicht genug, folgt ihr die eigene Vergangenheit wie ein Schatten und greift in ihr gegenwärtiges Leben ein. Sie fühlt sich zunehmend fremdbestimmt und isoliert am Rande der Gemeinschaft. Private wie berufliche Sorgen und Streitigkeiten bringen Mona in Bedrängnis – nach und nach bekommt sie es mit der Angst zu tun.

Derweil verdichtet sich im städtischen Raum die Problematik: Die Fronten zwischen Arm und Reich verhärten sich, Gewaltexzesse und Unruhen sind an der Tagesordnung, die Gesellschaft kollabiert, die Politik ist hilflos. Wer kann, flieht aufs Land und bunkert sich ein. Zu Martini prallen beide Lebenswelten aufeinander: Das sich bedroht sehende dörfliche Kollektiv holt zum Befreiungsschlag aus, um sich aller Irritationen zu entledigen – denn hier am Ende der Welt hat alles seine eigenen Gesetze.