G7 | Massenüberwachung: persönliche Erfahrungen vom G7

Heute hatte ich endlich wiedermal Zeit für mich, alleine zu Hause, Zeit zum Nachdenken und Podcast hören. Nachdem ich das Schlafdefizit der letzten Tage aufgeholt hatte, war ich anfangs äußerst Unzufrieden, mit dem Erlebten. Warum konnten wir nicht mehr machen? Warum bewegt sich so wenig bei Gipfelprotesten, obwohl so viele tausend Menschen ihr Bestes geben?

Nun nach dem Hören des Chaosradios des Chaos Computer Clubs “Was von Snowden übrig blieb. Fazit nach zwei Jahren Überwachungsskandal: Neuanfang oder verpasste Chance?” kam ich zu der Einsicht, warum sich fast nichts bewegen lässt, obwohl tausende Demonstrant_innen auf den Straßen von Garmisch waren.Doch ich beginne mal lieber von Vorne.

Auf der Großdemo in München am Donnerstag waren rund 40.000 Demonstrat_innen, verschiedenste Bündnisse hatten zu dieser Demonstration aufgerufen, diese Bündnisse hatten allerdings entschieden, keine Werbung mehr für den Protest vor Ort in Garmisch und Elmau  zu machen (sie hatten den Link zu den Porotestcamps von ihrer Homepage entfernt). Ich unterstelle ihnen mal, dass sie sich von vorhergesagten Ausschreitungen distanzieren wollten. Am Donnerstag liefen bunt zusammengewürfelt, verschiedenste Gruppen in der Demo mit. Wir ließen die Demo einmal gesamt an uns vorbeiziehen und sahen, wie breit das Bündnis war: Viele Familien, viele Kinder, Jugendliche, Pensionist_innen, einfach gesagt, Demonstrant_innen jedes Alters, jeder Staatsbürgerschaft und jeder Klasse. Lieder liefen da unter anderem Institutionen ẃie Pax Christi, Caritas, Verschwörungstheoretiker_innen, Antisemit_innen und viele mehr mit. Das Polizeiaufgebot in München war mäßig, es gab kein Polizeiketten-Spalier (wäre auch kaum nötig und möglich gewesen bei der Größe der Demo). Rund um die Demo in München wurde viel getratscht über die Situation in Elmau und Garmisch. Vor allem, dass die Garmisch wie ausgestorben wirke, weil alle Geschäfte dort verbarikatiert wären, es kaum möglich sei dorthin zu kommen, weil die Kontrollen fast undurchfahrbar wären, usw.

So machten wir uns mit gemischten Gefühlen am Freitag Mittag schließlich auf den Weg nach Garmisch. Zu unserer Verwunderung wurden wir nur einmal kontrolliert, Fahrzeugpapiere, Fürer_innenschein und Ausweise. Keine Durchsuchung des Autos, vielleicht hatten wir nur Glück, wer weiß. Auf der Autobahn kamen uns ständig Polizeiwannen entgegen (später haben wir das Gerücht vernommen, dass in Garmisch für all die Wannen nicht genug Parkplätze vorhanden waren, deshalb mussten viele Autos ständig in Bewegung bleiben).

In Garmisch angekommen fanden wir nach einigem hin und her doch das recht abseits gelegene Portestcamp, hier war schon einiges los, ständig kamem neue Leute an und die Orga, der Motorradclub “Kuhle Wampe” schrieb aus, dass die Leute keine Einzelzelte mehr aufstellen sollten, weil der Platz knapp sei. Bis 20:00 Uhr war am Bahnhof in Garmisch ein Protestzelt aufgebaut, eine Anlaufstelle unter anderem für viele Einheimische, die sich eine Einladung verschafften das Protestcamp besuchen zu können (was mit großer Freude seitens der Angereisten erwidert wurde). Am Abend gab es Plenum und eine hervorragende Vokü. Danach Vorträge in verschiendenen Zelten (wir haben aufgezeichnet und werden berichten). Der ccc-muc stellte w-lan zur Verfügung. Ein äußerst netter Abend mit super Gesprächen, danke an alle.

Nun zum Polizeiststaat: Mangels Schlafsack und Platz im Camp, entschieden wir uns im Auto zu schlafen, hier beginnen 24h durchgehende Komplettüberwachung. Wir parken nochmal um, um einen Ort zu finden, der möglichst uneinsichtig ist, in der Hoffnung ein bisschen Schlaf abzubekommen. Parken schließlich in irgendeiner Seitengasse. Sitze runter, Kiwara Auto fährt direkt vor uns und leuchtet ins Auto. So geht es die ganze Nacht weiter, ständig patrolieren Polizeiwannen durch die Straßen und machen diese unsicher. Trainiert durch meine Arbeit, kann ich immer und überall sofort einschlafen. Diese Situation ist mir so neu, dass mir das nicht richtig gelingt Im Halbschlaf denke ich an die Bettler_innen, an alle die Obdachlosen und Notreisenden, für die das die Normalität darstellt.

Wir sammeln alle Kräfte, denn der nächste Tag ist da, es ist heiß, kurze Abkühlung im Fluss. Mittagessen in der Stadt, die Garmischer_innen machen zynische Scherze über ihre “Bewachung”. Wir treffen niemanden, der_die das hier gut findet. (näheres hört ihr demnächst).

Um 12:00 Uhr zieht der Demozug vom Camp zum Bahnhof. Auf die Rufe: “Leute lasst das Glotzen sein, reit euch in die Demo ein”, machen wir dies. Am Bahnhof angekommen, heißt es warten, die offizielle Demo beginnt um 14:30 Uhr. Die Demo stellt sich auf, die  abertausenden Kiwara ebenfalls. Es geht los, immer wieder muss der Demozug stoppen, weil die Polizei dies und jenes nicht erlaubt (zusammengenüfte Transpis, Vermummung, etc.). Die Demoroute ist lang, ständig demonstrieren die Kiwara ihr Übermacht, in dem sie im Laufschritt als Kette (auf beiden Seiten der Demonstration) erst in die eine, dann wieder in die andere Richtung laufen. Wohl eine Taktik (wenn man die Hitze bedenkt), dass sie grantig auf die Demonstrant_innen sind. Am Ende der langen Demoroute schaffen sie es schließlich doch, in dem die Pfefferspray einsetzen, diese vorhergesagten Ausschreitungen zu provozieren. Wie aus der Presse zu entnehmen war, wollten die Demonstrant_innen auf der, für den ganzen Tag gesperrten B2 in Garmisch, den Gipfel im 20km entfernten Elmau stürmen. a das ist doch mal ein Einsatz, wo Pfefferspray unbedingt nötig ist, sonst würden ja die Demonstrant_innen nach Elmau laufen. 20lkm? Gehts noch?

Zusammenfassende kann man sagen: Gut, dass wir uns von denvon der negativen Propaganda nicht abschrecken haben lassen, und Schade dass nicht mehr gekommen sind. Weit wärs ja nicht gewesen von uns aus (Österreich), umso schlimmer, dass wir keine bekannten Gesichter gesehen haben.

Die Erkenntnis aus dem Wochenende: Ich will und kann in keinem Überwachungsstaat leben. Dieses Wochenende war ein Vorgeschmack dessen, was uns erwartet, wenn wir nichts tun. Wir müssen gegen Staaten, die uns überwachen kämpfen. Im Internet und auf der Straße. Lasst uns gemeinsam weiterhin laut und lästig sein!

… und hört mehr Anarchistisches Radio: Das Anarchistische Radio Berlin (aradio.blogsport.de) berichtet von den Protesten gegen den G7-Gipfel in Garmisch-Partenkirchen und Elmau:

  • A-Radio Berlin_G7-Podcast_Tag1_150605: Die erste Ausgabe unseres halbstuendigen Libertaeren G7-Podcasts umfasst folgende Themen: Camp-Infos: Allgemeines und Demo, Hintergrund: Militarismus und Grenzregime, Satire: die G7-Polizei, Der Bevoelkerung aufs Maul geschaut, Die Camp-Infrastruktur: die Vorarbeit der Camp-AG, Ausblick auf den kommenden Tag

  • A-Radio Berlin_G7-Podcast_Tag2_150606: Die zweite Ausgabe unseres halbstuendigen Libertaeren G7-Podcasts umfasst folgende Themen:  Aufs Maul geschaut: Alles friedlich, Camp-Infos: Die Großdemo und die Repression, Satire: Sam Think und Schloss Elmau, Wo herrscht Anarchie, Die Camp-Infrastruktur: die Kuhle Wampe, Ausblick auf den kommenden Tag
  • A-Radio Berlin_G7-Podcast_Tag3_150607: Die dritte Ausgabe unseres 42-minuetigen Libertaeren G7-Podcasts umfasst folgende Themen: Demo-Infos Samstag: Die Pruegelorgie des USK, Demo-Infos Sonntag: Protest an der GeSa, Aktionsinfos: Die Gipfelstuermer*innen, Satire: Top-Ten-Fails, Aufs Maul geschaut: Die Sicht der Leute, Die Camp-Infrastruktur: Die Vokue
  • A-Radio Berlin_G7-Podcast_Tag4_150608: Die vierte Ausgabe unseres 42-minuetigen Libertaeren G7-Podcasts umfasst folgende Themen: Infos zur Abschlusskundgebung,Aufs Maul geschaut: Was der Protest bewirkt hat, Hintergrund: Kapitalismus und Abschottungspolitik,Satire: Die Pressekonferenz des Innenministers, Resumee: Das Camp im Rueckblick,Die Camp-Infrastruktur: Out of Action, Soli-Aktionen: Was anderswo passierte

.. und: Freiheit für alle politischen Gefangenen in Garmisch und dem Rest der Welt!

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